Projekt konnte aufgrund der Corona Pandemie nicht verwirklicht werden. 

Projekt: Verbesserung der Hygienesituation zweier Dorfgemeinschaften in Äthiopien

Die Ein Zehntel Stiftung förder ein Projekt mit Engineers Without Borders (Ingenieure ohne Grenzen) Äthiopien zur Verbesserung der Hygienesituation zweier Dorfgemeinschaften. Die Dimensionierung der Maßnahmen fand gemeinsam mit  Vertreter*innen der Dörfer (Water Comitee) und der zuständigen Regierungsbehörde, dem Water Office, statt.

Das Projektteam Äthiopien ist Teil des Vereins Engineers Without Borders - KIT e.V. und besteht aus 16 Studierenden des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).

 

In einem bereits abgeschlossenen Projekt hat das Team in den zwei äthiopischen Nachbardörfern Ushegola und Mergere eine zuverlässige Wasserversorgung  aufbauen können. Darauf baut nun das geförderte Projekt auf und wird den Anwohner*innen den dringenden Bedarf an Duschen und Waschmöglichkeiten für Kleidung zu realisieren.

Welches konkrete Projekt unterstützen wir?

Das Projekt fördert den Bau von Duschen und Waschmöglichkeiten für Kleidung für die beiden Dorfgemeinschaften Ushegola und Mergere, Äthiopien.

Zielgruppe

Anwohner*innen zweier Dorfgemeinschaften in Ushegola und Mergere, Äthiopien

Ziel des Projektes

Verbesserung der Hygienesituation: Duschen sowie  Waschmöglichkeiten für Kleidung für zwei Dörfer soll errichtet werden.

Das Projektgebiet

Äthiopien ist ein Binnenstaat im Nordosten von Afrika und beheimatet über 112 Millionen Einwohner aus mehr als 80 verschiedenen ethnischen Gruppen. Die Amtssprache ist Amharisch,Englisch die Bildungssprache. Bereits vor 3,2 Millionen Jahren wurde Äthiopien besiedelt und kann auf eine reiche Geschichte zurückblicken. Als einziges afrikanisches Land wurde es, abgesehen von einer kurzen italienischen Besetzung im Zweiten Weltkrieg, nie zur Gänze kolonialisiert. Auch die Pflanzen- und Tierwelt ist in Äthiopien vielfältig. Zudem gilt Äthiopien als das Ursprungsland des Kaffees.
Auf der anderen Seite gehört Äthiopien aber auch zu den ärmsten Ländern der Welt. Der Großteil (ca. 60 %) der Menschen hat bis heute keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und nur 7% der Bevölkerung ist ein Zugang zu grundlegenden sanitären Anlagen möglich.

 

Die Nachbardörfer Ushegola und Mergere, in denen sich der Projektstandort befindet, liegen im Süden des Landes, zwischen den Städten Awassa und Hosaena. Die aneinander angrenzenden Dörfer befinden sich in einem Talkessel und sind durch einen Starkregenabfluss voneinander getrennt. Hier leben in einem Umkreis von circa 2 km rund 3000 Menschen.

Maßnahmen des Projektes

Zur Verbesserung der Hygienesituation, werden Duschen sowie  Waschmöglichkeiten für Kleidung für zwei Dörfer errichtet.

 

Duschen

Sowohl die Ushegola- als auch die Mergere-Site werden mit jeweils zwei Duschhäusern, eines für Frauen und eines für Männer, ausgestattet. Diese werden je drei Duschkabinen enthalten und sind baulich voneinander getrennt ausgeführt, um die nötige Privatsphäre sicherzustellen. In Ushegola besteht bereits ein Hochtank, von dem die Duschen gespeist werden können. Der Mergere Standort wird um einen Hochtank ergänzt.

 

Waschtische

Jede Site erhält zwei Waschwürfel mit jeweils vier Becken zum Waschen von Kleidung. Diese werden mit einem einfachen Dach beschattet und ebenfalls vom Hochtank gespeist.

 

Abwassersystem

Das Grauwasser der Duschen und Waschtische wird in einen rund 40 m² großen Verdunstungsbereich geleitet, wo es sich in kleinen Ponds zur Bewässerung von Nutzpflanzen sammelt und durch physikalische und biologische Bodenprozesse gereinigt wird.

 

Watersellerhaus

Um die Wasserausgabe auf der Ushegola-Site auch bei steigendem Aufwand durch die Betreuung der Dusch- und Waschstellen effizient zu gestalten, sehen ist ein zusätzliches Gebäude und ein daran anschließendes Tor geplant. Dieses wird sich neben der Wasserausgabestelle am Eingang zur Site befinden. So soll der/die Wasserverkäufer*in direkt von dort Wasser und Handyladungen verkaufen können. Zusätzlich wird das Haus als Schlafplatz für den/die Nachtwächter*in dienen. Auf der Mergere-Site ist ein entsprechendes Gebäude bereits vorhanden. 

Erwartete Wirkung des Projektes

Das “Ushegola/Mergere Shower and Laundry”-Projekt entsteht als Erweiterung des Trinkwasserprojektes, welches von der Bevölkerung vor Ort mitgetragen und  auch sehr gut  angenommen wird. Da  die Idee zur Erweiterung um Duschen und Waschtische auf den Wunsch der Dorfbewohner*innen hin entstand und im Rahmen der Vorplanung bei gemeinsamen Gesprächen vor Ort diskutiert und abgestimmt wurde, ist das Projektteam sehr zuversichtlich, dass auch dieses Projekt eine große Tragweite erreichen wird. 

 

Durch das Projekt soll den Menschen vor Ort in erster Linie der Zugang zu grundlegenden Hygienemaßnahmen ermöglicht werden. Das Team möchte den Anwohner*innen dadurch die Körper- und Gesundheitspflege sowie die täglichen Arbeiten - insbesondere die Aufgabenbereiche der Frauen - erleichtern. 

 

Duschen

Das übergeordnete Ziel der Maßnahmen ist  das Erreichen einer erhöhten Körperhygiene, was direkte positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Auch wer Zugang zu einem Brunnen hat, wäscht sich häufig mit dreckigem Wasser, da es einen großen Mehraufwand bedeutet, neben Trinkwasser auch Waschwasser nach Hause zu tragen. Das Wasser aus Pfützen oder Ponds, welches  dann zum Waschen benutzt wird, birgt aufgrund der bakteriellen Belastung  Risiken, besonders für Kinder, Alte und Kranke.

 

Durch den Bau der Duschen soll direkt vor Ort eine regelmäßige und sichere Körperhygiene ermöglicht werden. Dadurch wird den Frauen und Mädchen, die hauptsächlich für die Wasserbeschaffung verantwortlich sind, eine große Last von den Schultern genommen.

 

Neben diesen  Auswirkungen spielt für die Dorfbewohner*innen aber auch ein weiterer Aspekt eine große Rolle: Sich anständig waschen zu können, bedeutet sehr viel für das eigene Selbstwertgefühl. Dies wurde insbesondere in den Gesprächen mit den Dorfbewohner*innen klar. Während es in sehr vielen Dorfgemeinschaften und Regionen bereits Duschen auf den Sites gibt, fühlen sie sich zurückgelassen, wenn sie sich nur notdürftig am Rande der Site oder Zuhause waschen können. 

 

Besonders für Frauen bieten die eigenen Duschkabinen auch sehr viel mehr Privatsphäre. Jedem steht eine eigene, sichtgeschützte Umkleide und Duschkabine in nach Geschlechtern getrennten Gebäuden zur Verfügung. Diese Trennung  ist im traditionell geprägten Äthiopien von hoher Bedeutung. 

 

Waschtische

Genau wie die Duschen bringen auch die Waschtische den Vorteil mit sich, dass das Waschwasser nicht nach Hause getragen werden muss. Aus diesem Grund wird schon jetzt häufig Kleidung auf der Site gewaschen. Auf dem Boden, vorzugsweise in Mulden, wird eine Plastikplane ausgelegt, sodass ein „Waschbecken“ entsteht. Angenehm ist es jedoch nicht, auf dem Boden kniend in der prallen Sonne die Kleidung der ganzen Familie zu reinigen. Die geplanten Waschtische sollen dies mit Waschbecken, Wasseranschluss und Überdachung vereinfachen. Auf Wäscheleinen kann dann die Wäsche getrocknet werden, damit sie nicht nass und schwer nach Hause getragen werden muss.

Auch bei der Kleidung spielt neben der Hygiene und Gesundheit das Gefühl der Sauberkeit und dem daraus resultierenden Selbstbewusstsein eine große Rolle für den Wunsch der Dorfbewohner nach den Waschstellen.

Zudem sollen die Waschtische das Zentrum der Site darstellen, an dem sich die Dorfbewohner in Ruhe und im Schatten austauschen können, während sie die Kleidung waschen.

 

Watersellerhaus

Derzeit sind auf der Site zwei Personen angestellt: Die Wasserverkäuferin organisiert die Ausgabe des Trinkwassers, der Nachtwächter kümmert sich um die Handyladungen und bewacht nachts die Site.

 

Die Wasserausgabe ist zu Stoßzeiten stark besucht, eine lange Schlange wartet vor den Ausgabestellen.

Die Erweiterung der Site soll den Betriebsablauf erleichtern. Das neue Watersellerhaus soll direkt neben der Wasserausgabestelle entstehen. Die Wasserverkäuferin muss dadruch nicht mehr den ganzen Tag in der Sonne stehen, sondern kann vom Haus aus den Überblick über das Geschehen behalten. Durch ein Fenster an der Rückseite des Hauses ist der Blick frei auf die Wasserhähne außerhalb der Site. Diese sind für Eselskarren gedacht, die mit vielen Kanistern Wasser beladen werden können, welches in andere Dörfergebracht wird. Derzeit kann diese Möglichkeit nicht genutzt werden, da die Wasserverkäuferin die Wasserhähne nicht im Blick hatund daher nicht bedienen kann. Die Duschen und Waschtische erhöhen den logistischen Aufwand für die Wasserverkäuferin. Das neue Haus bietet jedoch die Möglichkeiten, dass die Wasserausgabe, die Eselskarren, Duschen und Waschtische gut überblickt und das Betreten des Geländes überwacht werden kann.

 

Um Handyakkus zu laden, werden die Handys oder Akkus beim Nachtwächter abgegeben. Dazu müssen die Leute über die Site und direkt am Bohrloch vorbeilaufen, was sich negativ auf die Wasserqualität auswirken kann. Durch die Verlegung der Handyladung in das neue Watersellerhaus wird der Publikumsverkehr vom Bohrloch ferngehalten. Zusätzlich können die Wasserverkäuferin und der Nachtwächter zusammenarbeiten und Aufgaben besser aufteilen, da alles zentral in einem Gebäude stattfindet. 

Bisher musste der Nachtwächter im vollgestellten Technikgebäude schlafen, um die Site nachts zu bewachen. Dort lagert sämtliches Werkzeug, elektronisches Zubehör und viele Materialien. In Zukunft soll der Nachtwächter im neuen Gebäude einen angenehmeren Schlafplatz bekommen. Dadurch entsteht im Technikgebäude auch mehr Stauraum.

Solarerweiterung

 

Durch zusätzliche Solarpanelen kann mehr Strom für die Ladung der Handys gewonnen werden. Aktuell ist das System voll ausgelastet, viele Handys befinden sich in der „Warteschlange“ und bereits kurz nach Sonnenuntergang ist der Batteriespeicher leer. 

 

Schulungen

Besonders am Herzen liegt dem Projektteam, dass das Projekt gemeinsam mit den Menschen vor Ort entsteht, von ihnen selbst getragen wird und dadurch auch langfristig eine Wirkung haben kann. Daher stellen Schulungen eine zentrale Aufgabe in der Projektarbeit dar.

 

Im technischen Schulungskonzept werden die relevante Themen Wartung, Instandhaltung und Reinigung auf gegriffen. Sie haben zum Ziel, die Dorfbewohner*innen bei der selbstständigen Betreuung der Site zu unterstützen. Dabei wird die Funktionsweise des Wasserversorgungssystems näher erläutert und auf die Besonderheiten und Gefahren eines solarbetriebenen Pumpsystems eingegangen. 

Es wird somit sicher gestellt, dass die Dorfbewohner die Site verstehen und selbstständig ihren Betrieb übernehmen können. 

So soll das Projekt nachhaltig Wirkung zeigen und den Menschen langfristig von Nutzen sein.