Zentrale Wasserversorgung für sauberes, arsenfreies Trinkwasser in Ibrahimnagor, Bangladesch

 

Die Ein-Zehntel-Stiftung fördert ein weiteres Projekt zur Bereitstellung von sauberem Trinkwasser in Bangladesch mit dem Verein AGAPE e.V. Hilfe zur Selbsthilfe. Die Projektregion für das neue Projekt liegt im Distrikt Habiganj, im Nordosten von Bangladesch und ist infrastrukturell wenig erschlossen. 

Das kleine Dorf Ibrahimnagor hat rund 300 Einwohner und liegt direkt an einem Flussarm. Die Dorfbewohner beziehen ihr Trinkwasser aus flachen Brunnen, die direkt am Ufer gebohrt wurden und durch diese Lage besonders kritisch hohe mikrobielle Belastungen aufweisen, vor allem während der Regenzeiten. Vielfach waschen sich die Menschen und ihr Geschirr direkt im Fluss. Das führt dazu, dass die Bewohner des Dorfes häufig unter Magen-Darm-Erkrankungen leiden. AGAPE e.V. stellte durch Wasseruntersuchungen zudem eine besonders hohe Arsenbelastung des Wassers fest. 

Ziel des von der Ein-Zehntel-Stiftung finanziell unterstützten Projektes ist es an zwei vorhandenen, staatlichen Tiefenbrunnen einen Hochtank und ein Wasserverteilungssystem anzuschließen und das Dorf Ibrahimnagor so nachhaltig mit sauberem Brauch- und Trinkwasser zu versorgen. Als ein wichtiger Aspekt wird das Dorf einbezogen, sich an den laufenden Kosten zu beteiligen und bei den Bauarbeiten mitzuhelfen, sowie in Eigenregie eine nachhaltige Instandhaltung sowie den laufenden Betrieb zu gewährleisten. Eine zukünftige regelmäßige Überwachung der Wasserqualität auf mikrobielle und Arsengehalte ist durch den Verein Agape vorgesehen, damit bei Änderungen der Wasserqualität rechtzeitig Gegenmaßnahmen getroffen werden können.  

Zielgruppe des Projektes

Die rund 300 Einwohner des Dorfes Ibrahimnagor in Bangladesch. In der Regel erfolgt die Wasserbeschaffung durch Frauen und Kinder mit Hilfe von sog. Kolchis. Die Wassermenge entspricht pro Wasserbeschaffungsgang ca. 8 Liter, im Falle der Kinder entsprechend weniger. In Ibrahimnagor entstehen durch die langgezogene Form des Dorfes erhebliche Wegstrecken von bis zu 400 m. Diese Distanz ist zu groß zur Beschaffung des gesamten im Haushalt benötigten Wassers. Zielgruppe sind somit sowohl die Frauen und Kinder wegen des Transportaufwands, als auch alle anderen Dorfbewohner. Durch ausreichend verfügbares sauberes Trinkwasser verbessern sich die hygienischen Bedingungen insgesamt und es treten weniger häufig Krankheiten auf, die durch verunreinigtes Wasser hervorgerufen werden. Über eine bessere und leichtere Verfügbarkeit an sauberem Wasser kann dieses auch für die Nahrungszubereitung sowie zum Händewaschen genutzt werden. Es ist geplant, an beiden Tiefbrunnen eine motorisierte Unterwasserpumpe und Bevorratung von Wasser in erhöht aufgestellten Tanks zu installieren. Von diesen beiden kleinen Wasserwerken wird eine unterirdische Wasserleitung in Längserstreckung des Dorfes verlegt und für jeweils zwei Häuser ein Wasserentnahmepunkt installiert. Dadurch erhalten alle Bewohner Zugang zu ausreichend sauberem Wasser für Körperhygiene, Lebensmittelzubereitung und zum Trinken ohne weite Transportwege. Die Familien leisten einen Kostenbeitrag für das sauberes Trinkwasser.

Ziel des Projektes

Ziel des Projektes ist, mit einer zentralen Wasserversorgung das Dorf mit Brauch- und Trinkwasser zu versorgen. Hierdurch wird eine Verbesserung der Hygiene und Gesundheit für die gesamte Dorfbevölkerung erzielt. Gleichzeitig soll das Projekt die Anwohner des Dorfes motivieren, sich an den Kosten des Vorhabens zu beteiligen oder bei den Arbeiten mitzuhelfen. Ebenfalls wird begrüßt, wenn die Bewohner in Eigenregie die Hausinstallationen durchführen möchten. Für die Instandhaltung und den Betrieb der Anlage wird ein Arbeitsplatz geschaffen, der aus Kostenbeteiligungen des Dorfes finanziert wird. Das Projekt soll als Leuchtturmprojekt für das Department for Public Health Engineering (DPHE) dienen. Es soll zeigen, dass Dorfgemeinschaften eigenständig und mit geringem Kostenaufwand die Reichweite und den Gesamtnutzen der DPHE-Tiefbrunnen verbessern können.

Maßnahmen des Projektes

Kernstück des Projektes ist der Umbau der vorhandenen Tiefbrunnen des DPHE zu automatisierten kleinen Wasserwerken. Hierzu wurde im Vorfeld des Projektes bereits die Zustimmung des DPHE eingeholt, sowie die geplante Maßnahme mit den Vorstehern des Dorfes diskutiert. An beiden Brunnenstandorten wird ein Turm errichtet und ein Tank mit einem Fassungsvolumen von 1.000 L aufgestellt. In dem Brunnen wird eine Unterwasserpumpe installiert, und über Leitungen mit dem Tank verbunden. Auf Wunsch der Dorfvorsteher wird zusätzlich zur automatisierten Wasserentnahme auch eine manuelle Wasserentnahme mit Handschwengelpumpe vorgesehen, damit bei längerem Stromausfall kein Wassermangel entsteht. Ausgehend von den Tanks erfolgt die Verlegung von Rohrleitungen unterflur in Längserstreckung des Dorfes. Die unterirdische Verlegung dient dem Schutz der Rohrleitung und stellt sicher, dass sich das Wasser nicht in der Sonne aufheizt und damit das Bakterienwachstum verstärkt. Die Arbeiten werden vor Ort von der Partnerorganisation AGAPE Bangladesh eigenverantwortlich durchgeführt. Alle laufenden Kosten werden vom Dorf getragen. Dies beinhaltet den Strom, ein Gehalt für den Verantwortlichen, sowie Rückstellungen für Reparaturarbeiten. Der laufende Betrieb liegt in der Verantwortung des Dorfes. Zusätzlich wird die Funktion durch das Personal der AGAPE Bangladesch vor Ort sichergestellt und umfasst Sichtkontrollen, Wartungen und Beprobungen. Die Wasserqualität wird im ersten Jahr wöchentlich durch die Entnahme von Wasserproben für mikrobielle Tests überprüft. Entsprechend der Ergebnisse wird ein Konzept zur Desinfektion des Tanks und der Leitungen erarbeitet. Diese wird zunächst für ein Jahr von Mitarbeitern der AGAPE Bangladesh durchgeführt, soll aber in einem weiteren Schritt in die Verantwortung des Dorfes überführt werden. Jährlich erfolgt auch eine Begehung mit Arsenschnelltest sowie zur Probenahme für die chemische Analytik an der Universität Heidelberg. Zudem findet eine Schulung des Verantwortlichen im Dorf bezüglich seiner zukünftigen Routinearbeiten statt.

Erwartete Wirkung

Die meisten Privatleute und Schulen verfügen über qualitativ bedenkliches Wasser aus flachen Grundwasserschichten. Zunehmend werden als Lösungsmaßnahme Tiefbrunnen von der Regierung oder Hilfsorganisationen errichtet, die allerdings aufgrund ihrer Lage nur geringe Wirkradien besitzen. Die weiten Transportwege machen es für die meisten Haushalte unmöglich, das gesamte Trink- und Brauchwasser für die gesamte Familie zu beschaffen. Hinzu kommt, dass näher gelegene Wasserquellen (arsenbelastete Brunnen, keimbelastete Flussarme oder Tümpel) dazu verleiten, dieses Wasser zu nutzen. Mit dem Projekt soll die Versorgung von mindestens 300 Menschen mit sauberem Wasser gewährleistet werden. Die Selbstinitiative bei der Verlegung der Hausanschlüsse sowie die Kostenbeteiligungen an der Wartung der Infrastruktur stellt sicher, dass mit der Einrichtung sorgsam umgegangen wird und das System langfristig in Betrieb bleibt. Daneben stellt das hier vorgestellte Projekt einen innovativen Ansatz dar, mit der die Reichweite vorhandener Brunnen mit guter Wasserqualität (z.B. regierungseigene Tiefbrunnen) einfach und effektiv verbessert werden kann. Da die Methode sehr einfach in die Selbstverwaltung der Dörfer eingefügt werden kann, hat sie das Potential nachhaltig zur Lösung des Problems beizutragen. Zudem soll das Projekt als Leuchtturm dienen, um über das DPHE entsprechende Multiplikatoren zu erhalten.